Der Elfte im Elften ...

11 – die närrische Zahl

„Joh, am Elfte Elfte jeiht dat Spillche loss,
denn dann weed d’r Aap gemaaht, ejal, wat et och koss.“


Jo, so es et: Am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt besonders im Rheinland die närrische Session oder die „fünfte Jahreszeit“. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gilt die 11 als Glückszahl der Narren, die überdies Anlass zu Jubiläen und Ehrungen gibt.

Warum beginnt der Karneval im November, dem Monat des Gedenkens und
der Besinnung auf Tod und Vergänglichkeit?


Die Zahl 11 ist als Narrenzahl bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt. Sie symbolisiert die Einheit im Karneval. Sie stellt die Eins neben die Eins als Zeichen der Gleichheit aller Narren. Jeder Jeck unter der Narrenkappe sollte eine selbstständige und gleichberechtigte Person sein. Eine gesicherte Erklärung für die Herkunft dieser Narrenzahl gibt es jedoch nicht. Vielfältig sind die Deutungen und vielfältig auch ihr Erklärungsansatz.

11 – Zahlensymbolik

Da ist zunächst die etwas mystische Erklärung, die sich aus den magischen Kräften der Karten des Tarot ergibt. Danach bedeuten die Zahl 11 moralische, psychische und körperliche Stärke, schlechthin die Kraft. Sie braucht man sicher, um eine Session durchstehen zu können. Die Zahl 11 gilt aber auch als Zeichen der Eintracht.

Die Zahl 11 hat aber auch in der Mathematik eine besondere Bedeutung. Als Primzahl, die nur durch sich selbst oder eins teilbar ist, bildet sie zusammen mit der Zahl 13, die allgemein als Unglückszahl gilt, einen sogenannten Primzwilling.

Die stärksten Interpretationen ergeben sich aber aus der Verbindung des Karnevals mit dem katholisch-rheinischen Kirchenjahr. Das gilt besonders für den 11. November. Dabei spielt die biblische Zahl 40 eine besondere Rolle. Der 11.11 liegt 40 Tage vor dem Winteranfang am 23.12. und damit fast vor Weihnachten.

Allerdings ist die Erklärung überzeugender, dass früher am 6. Januar das Weihnachtsfest, dem heutigen Epiphaniasfest (Dreikönigsfest), begangen wurde, dem wie das Osternfest eine Fastenzeit vorausging. Weil man aber bei der Hauptfastenzeit vor Ostern schon die Sonntage bei der 40 Tage dauernden Fastenzeit ausgeklammert hatte, wollte man bei dieser „kleineren“ Fastenzeit die Gläubigen nicht überfordern, und so klammerte man auch noch die Samstage aus. Die Sonntage und Samstage müssen folglich den vierzig Tagen hinzugerechnet werden, und das ergibt insgesamt 56 Tage. Diese 56 Tage von Epiphanias (6.1.) zurückgerechnet, ergeben den 11. November.“ Hinzu kommt, dass der 11.11. der Martinstag ist, der Tag des Bischofs Martin von Tour. Allerdings ist das Martinsfest sicherlich älter als der Karneval und die Jeckenzahl 11.

Eine weitere kirchlich-testamentarische Erklärung ergibt sich aus den 10 Geboten. Die 11 galt als Zahl der Maßlosigkeit und Sünde, weil sie sich als erste außerhalb der 10 (Gebote) stellt und zugleich anzeigt, dass es Zeit sei umzukehren, da es „kurz vor zwölf“ sei.

Dies deckt sich wiederum damit, dass sich das Wort Elf aus dem althochdeutschen Wort einlif, d.h. eins drüber ableitet.

Und dann gibt es da noch das amüsante Wortspiel mit den Anfangsbuchstaben E, L und F. Mit der Wiederbelebung des rheinischen Karnevals Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die 11 als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht, sozusagen eins neben eins. Dahinter stehen die Anfangsbuchstaben der Forderungen der Französischen Revolution Egalité (Gleichheit), Liberté (Freiheit) und Fraternité (Brüderlichkeit).

11 – Alaaf

Wo bedient sich nun der Karneval der Zahl 11? Und da fangen wir zunächst im Rheinland an. In Köln erinnert die Zahl 11 an die Leiden der 11.000 Jungfrauen, die die Hunnen im Jahre 452 in Köln umbrachten. Sie wurden im Kölner Stadtwappen mit 11 Tränen, Flämmchen oder Funken geehrt. Darüber hinaus zieren elf stilisierte Tropfen den Deckel des Goldenen Buches des Kölner Festausschusses.

Das rheinische „Undezimalsystem“ (vom lateinischen undecim für elf) zeigt sich aber besonders im Elferrat. Nach den ersten Statuten der Aachener Floresei von 1829 sollte es „elf Würdenträger“ geben. Köln und Düsseldorf zogen dann 1830 nach. Eigentlich ist der Elferrat aber noch bedeutend älter. In einem Nürnberger Druck aus den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts liest man unter der Überschrift „Ein hübscher Spruch von Aylff Narren wie ayner dem anderen die warheyt sagt“ von elf Karnevalisten mit Eselsohrklappen.

Aber es gibt auch andere Bezüge der Zahl 11 zum Karneval. Schon 1826 bestand die Karnevalszeitung aus elf Nummern. Im badischen Waldkirch und einigen anderen Orten Süddeutschlands trägt der große Narrenumzug den Namen „Elfes-Mess“. Er soll auf den regulären Elf-Uhr-Gottesdienst zurückgehen.

Der Prinz des Mainzer Karnevals von 1857 führte die Elf gleich zweimal in seinem Wappen. Überlieferungen berichten, die Zahl Elf sei auf das Kostüm oder die Stirn der Narren gezeichnet worden. So gibt es zwischen der Zahl Elf und den Narren in allen karnevalistischen Hochburgen eine sehr alte Beziehung.

Darüber hinaus beginnen viele Veranstaltungen, ob Karnevalsumzüge oder Sitzungen 11 Minuten nach einer vollen Stunde.

11 – ein (un)sittliches Symbol

Die Elf gilt als Symbol der Maßlosigkeit und der Sünde. Im Mittelalter kennzeichnete sie alle Menschen, die außerhalb der Sittengesetze standen. Sie überschreitet nicht nur das, was anhand der zehn Finger menschlicher Hände, sondern auch in der Zahl der gottgegebenen "Zehn Gebote" fassbar ist. Der Bezug zur Fastnacht als einem Fest, bei dem es ausgelassen und nicht immer gerade sehr christlich zugeht, ist insofern leicht herzustellen. Somit nimmt es nicht Wunder, dass man in den katholischen Hochburgen Köln und Düsseldorf immer wieder gegen die Sündhaftigkeit des Karnevals im Allgemeinen und der Rosenmontagszug im Besonderen wetterte. Und auch die Karnevalssitzungen bleiben nicht verschont.

Nach dem Motto „Zehn Gebote sind gut – Elf Gebote sind besser“ soll sich damit auch der Kreis zum närrischen „Elften im Elften“ schließen. So lautet das 11. Gebot eines Karnevalsliedes aus dem Jahre 1873: „Lohss dich nit verblöffe!“ Und im 11. Gebot des (erweiterten) rheinischen Grundgesetzes lesen wir: „Bewahre dir eine gesunde Einstellung zum Humor – Du laachs dich kapott“.

In diesem Sinne: Meckem ALAAF!

Zusammengestellt von Norbert Schlemminger